Design & Synästhesie
Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Synästhesie in unterschiedlichen Forschungsfeldern stellt nach wie vor verschiedene Positionen in den Raum. So ist die grundlegende Frage nach dem Verständnis der Wahrnehmung von synästhetischer Empfindung auch für Designer_innen bei ihrer Arbeit und alltäglichen Gestaltungsherausforderungen ein zentraler Punkt.
Dieses Projekt thematisiert die Relevanz der Synästhetischen Wahrnehmungsform im Gestaltungsprozess. Es wird der Frage nachgegangen, ob alle Gestalter_innen eine Form der Synästhetischen Wahrnehmung haben und welche Bedeutung dies für den Designprozess haben könnte. Dabei wurden, anhand eines empirischen Forschungswegs, Studien und Workshops durchgeführt, die den Prozess und Transfer im Kontext von Wahrnehmung und Gestaltung thematisieren. Kann sich jeder alles vorstellen? Ziel ist es, die Relevanz von Synästhesie in der Visuellen Kommunikation neu zu denken, experimentell zu erfahren und prozessual anzustoßen. Dies beeinflusst die Sicht auf die Ästhetik im Gestaltungskontext sowie Arbeitsmethodiken im Designprozess. Gleichzeitig wirft es einen neuen Blick auf die Frage, was entsteht intuitiv oder assoziativ und welche neuen Denkanstöße zu Visualisierungen und Übersetzungen von Inhalten können dabei entstehen.
Die Thematik Synästhesie im Kontext von Design wird auf design-synaesthesie.de erlebbar und greifbar gemacht. Die Website erklärt das Forschungsprojekt und dient als Archiv und Inspirationstool. Zudem wird die Synästhetische Wahrnehmungsform im Designgedanken als feste Begrifflichkeit und Methodik etabliert.
design-synaesthesie.de
Ton & Form Workshopreihe
Im Juli 2017 fand ein Kreativ-Workshop im Rahmen meines MASTER-PROJEKTS zum Thema synästhetische Wahrnehmungsform statt. Insgesamt 21 Teilnehmer, davon Gestalter_innen, Synästhetiker_innen und Personen anderer Berufsgruppen aus eher weniger kreativen Branchen, nahmen an der ersten Studie teil. Als Ausgangspunkt dieser empirischen Studie stellte sich mir die Frage, woher die Idee, der erste Impuls bei Designer_innen kommt? Oftmals wird das gestalterische Handeln als aus dem Bauch heraus bzw. intuitiv beschrieben. So entsteht im Moment der Auslösung, der Reizung, direkt ein Bild vor dem inneren Auge – dem sogenannten inneren Monitor.
Das Forschungsexperiment gliederte sich somit in zwei Teile: Das Formen-Sehen beim Hören eines Tons und das Visualisieren von Begriffen (Zeitintervalle, Charakter- und Tonalitätsbegriffe, Wie-Worte, Nicht-Dinge, Wortneuschöpfungen), das den Bezug zur Sequenz-Raum-Synästhesie verdeutlicht. Alle Teilnehmenden erhielten ausgewähltes Arbeits- und Workshopmateria. So entstanden schlussendlich über 1925 Formen und Zeichen, die zur Auswertung dieser Thesis dienten.
Synästhetische Wahrnehmungsform im Gestaltungsprozess
Studie Visualisierung von Synästhesie
Designdiskurs/Essay, 2017
Das 204-seitige Essay beschreibt, analysiert und diskutiert die Studie Design und Synästhesie sowie die daraus resultierenden Ergebnisse ausführlich. Zu dem werden die Begrifflichkeiten Evidenz, Quantifizierbarkeit, Intuition und Assoziation, intermodulare Analogie im Kontext von Wahrnehmung und Kommunikation genauer betrachtet.
design-synästhesie.de
VISUAL Artbook
20017/18, 128 Seiten, 290 x 410 mm
Bilder überfluten Gesellschaft und Medien und manipulieren schlussendlich die Wahrnehmung: Unsere eigene und die unserer Umgebung. Die sogenannten Stockbilder sind Bilder, die auf Vorrat (to have in stock) produziert werden. Nutzer können durch die Eingabe von Begriffen und Schlagworten nach Bildmaterial suchen und bekommen eine Ergebnisauswahl zu dem von ihnen gesuchten Begriff. Diese Auswahl schlägt dem Nutzer eine Liste der besten Übereinstimmungen und der neusten Ergebnisse vor. Gleichzeitig wird ein Bilderpool der verwandten Suche angeboten, die vom System als ähnlich erachtet wird. So wird der Nutzer in eine Bilderwelt entführt, die ihm generiert, welchen inhaltlichen Wert der gewählte Suchbegriff ausschüttet. Die Resultate sowie die vorgeschlagenen Suchergebnisse in der Google-Suchleiste wurden im Kontext dieser visuellen Analyse zusammengefasst und aufgelistet. Die Darstellungen der Fotos veranlassen den Betrachter zu polemischen Fragestellungen und projizieren somit die Unglaubwürdigkeit der inhaltlichen Richtigkeit der Suchergebnisse. Die hier vorgestellte Bildersammlung zeigt das Spannungsfeld zwischen einer assoziativen Narrative und dem intuitiven Sehen und Übersetzen von fünf Begriffen: impulsiv, echt, kontrovers, mutig, zufrieden. Diese charakteristischen Begriffe gelten als materiallos, können keinem festen Objekt oder symbolischen Gegenstand zugeordnet werden und sind ausschließlich mit einem inneren Gefühl, einer Emotion, verbunden.
Die Gegenüberstellung von frei verfügbaren Bildern der Bilddatenbanken aus dem Internet, lizenzfrei und jedem zugänglich, sowie den intuitiven formalen, schwarzen Zeichen von Gestalter_innen zeigt die konträre Einschätzung und Perspektive auf den Umgang mit einem Wort und dessen Bild. Diese Fotos werden den freien, intuitiven Formen, Zeichen und reinen Farbflächen zu den Begriffen – Echt, Mutig, Zufrieden, Kontrovers und Impulsiv – aus den Workshops Ton & Form (Design & Synästheise) und Studien gegenübergestellt.
Die visuelle Auseinandersetzung zeigt, dass eine offene, vom System gesteuerte Suche im Internet eine entstellte Wahrnehmung der Realität erzeugt. Die Beeinflussung durch die mediale Bilderflut schafft eine verzerrte Wahrnehmung und lenkt von der eigenen Fähigkeit, wahrzunehmen, ab. Der hier gezeigte Rausch von Bildern, Farben, Formen und Zeichen veranschaulicht den Gegensatz der eigenen Wahrnehmung und Einschätzung sowie der uns Menschen vorgelebte Glaubenssatz von Normalität. Diese Sammlung ist als Visual Research im Kontext zum synästhetischen Vorstellungsvermögen zu betrachten und stellt eine Analyse von Informationen in Bildern dar. Imagination und Manipulation in Beziehung zur Wahrnehmung eröffnet den Diskurs zwischen dem Bild und dessen Information.